Konfrontation mit Fragen und Aussagen

Schon in der Schwangerschaft wurde ich mit vielen Fragen gelöchert und mit Aussagen überschüttet. Dies hat natürlich auch nach der Geburt nicht abgenommen und ich befürchte, dass es das niemals tut. Sobald man die freudige Nachricht verbreitet, dass ein neuer kleiner Ehrenbürger unterwegs ist, fühlt sich anscheinend Gott und die Welt dazu verpflichtet, seinen Senf dazu zu geben - ob man möchte oder nicht. Hier gebe ich einmal die häufigsten Fragen und Aussagen preis und natürlich meine entsprechende Reaktion dazu. Wie geschrieben, ich befürchte das dies niemals abebbt und somit kann ich hier nur vom aktuellen Stand ausgehen und wahrscheinlich mehrfach ein Update machen. Ich möchte auch noch einmal betonen, dass natürlich nicht alle Fragen und Aussagen bezüglich der Schwangerschaft und der Zeit danach „nerven“. Ich gebe gerne Auskünfte und helfe, wenn nötig, den wissbegierigen Menschen weiter, aber einiges ging halt einfach zu weit bzw. geht einem nur noch gegen den Strich...


"Wie, du stillst dein Kind nicht?"

Schon lange vor der Schwangerschaft habe ich über das Stillen nachgedacht und mir war niemals wohl bei dem Gedanken. Natürlich weiß ich, dass die Muttermilch die beste ist (mit entsprechender Lebensweise und Ernährung etc.). Darüber lässt sich auch nicht streiten. Allerdings allein die Vorstellung, rund um die Uhr eine „Milchbar“ für mein Kind zu sein und das im besten Fall ca. 1 Jahr, ich ganz alleine für die Ernährung verantwortlich, immer und überall…
Ich habe mir jedes Szenario ausgemalt und fühlte mich nach und nach immer unwohler bei dem Gedanken, zu stillen. Auch Aussagen wie: „Das ist ein ganz inniger Moment, nur du und dein Kind…“ änderten meine Gefühlslage nicht. Und so war für mich klar: ICH WERDE NICHT STILLEN!

Natürlich kam mit Bekanntmachung der Schwangerschaft auch irgendwann die Frage nach dem Wunsch, zu stillen (ich bin ja schon froh, dass überhaupt noch gefragt und es nicht vorausgesetzt wurde). Auf diese Frage antwortete ich immer, dass ich nicht stillen möchte. Davon ließ ich mich auch nicht abbringen, habe aber immer ein „...aber das sage ich jetzt, vielleicht ändert sich das ja noch im Laufe der Schwangerschaft oder Geburt…“ mit drangehangen.

Im Endeffekt hat sich meine Meinung auch nicht geändert, Zoey wurde nicht ein Mal von mir gestillt und ich habe direkt im Kreißsaal nach den entsprechenden Tabletten gefragt. Dass diese Entscheidung ganz allein meine ist, scheinen einige Menschen nicht verstehen zu wollen, sodass ich mich immer wieder rechtfertigen musste und es vermutlich auch später noch tun muss.

Es ist ein sehr heikles Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt und sorgen wird. Aber egal welche Aussagen noch getroffen werden, welche Versuche veranstaltet werden, einen vom Gegenteil zu überzeugen - es ist die Entscheidung jeder Mutter für sich selbst! Diese Aussage steht übrigens, meiner Meinung nach, für sämtliche (dumme) Bemerkungen, Fragen etc. Ich weiß bis heute nicht, weshalb die Menschheit denkt, man müsste einen anderen Menschen davon überzeugen, dass dessen Meinung nichts wert ist…

Nur falls hier die Frage aufkommt: Nein, ich bereue meine Entscheidung, nicht zu stillen, bis heute nicht! Unsere Tochter ist in ihren 10 Monaten vielleicht zwei Mal mit einer kleinen Erkältung konfrontiert worden. Sie wächst und gedeiht sehr gut und weist keinerlei Allergien o.Ä. auf (wir Eltern haben auch keine). Sie hat sich trotz Babymilchpulver ganz normal entwickelt!

"Lass sie ruhig schreien, das stärkt ihre Lungen und ihre Stimme!"

Also diese Aussage bekommen wir eher von der älteren Generation zu hören. Und diese Generation ist so davon überzeugt, dass mein Mann und ich schnell wussten: Hier bleibt Zoey definitiv nicht allein!

Leider wird die Praktik, sein Kind schreien zu lassen, noch immer sehr gerne angewendet - eben weil sich frühere Generationen gerne mit einbringen und man denkt, was die sagen, wird schon Hand und Fuß haben. Ich muss zugeben, auch mir wurde immer „beigebracht“, dass man sein Kind auch einmal schreien lassen muss. Aber eher weil man sein Kind ansonsten verwöhnen würde und es soll schließlich seinen Willen nicht durchsetzen - schon gar nicht nachts um 3 Uhr.

Dass man es sowieso anders machen möchte - man ist schließlich die Mutter/der Vater - ist nur logisch. Aber so richtig „klick“ hat es für Ricardo und mich im Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Die Hebamme hat dieses Thema in aller Ruhe erklärt und zwar so, dass ich schon beim Zuhören ein schlechtes Gewissen meiner ungeborenen Tochter gegenüber hatte, einfach weil ich als werdende Mutter immer davon ausging, dass man sein Kind nicht „verwöhnen" darf, indem man dem kleinsten Schrei nachgeht.  Lange Rede, kurzer Sinn - für Ricardo und mich war sofort klar, dass wir unsere Tochter nicht schreien lassen.

Nachtrag hierzu: Ihre Lungen und Stimme sind sehr gut trainiert, auch ohne das sie stundenlang von uns ignoriert wurde!

"Schläft sie schon durch?"

Das ist wohl die Frage, die am meisten von Eltern an Eltern gestellt wird. Unsere Antwort: "Jein!"

Das Schlafverhalten hat sich schon so oft geändert und wird sich wahrscheinlich auch noch oft ändern. Da kann ich also gar keine richtige Antwort drauf geben. Gestern freue ich mich über sieben Stunden ohne Unterbrechung, heute frage ich mich, weshalb ich gefühlt jede Stunde an Zoey's Bett stand. Es soll ja Kinder geben, die schaffen ihre zehn bis zwölf Stunden hintereinander ohne Unterbrechung. So ein Kind haben wir (bisher) nicht.

Die „lustigste“ Situation war aber, als Zoey's Uroma uns fragte, ob die Kleine durchschlafen würde und wir dies mit „nein“ beantworteten. Sie gab daraufhin fast empört zurück, dass Zoey dies aber so langsam machen MÜSSTE! Zoey war zu diesem Zeitpunkt zwei Wochen jung...

Ich beschwere mich größtenteils nicht über Zoey's Schlaf. Ein paar Stunden ohne Unterbrechung schafft sie in der Regel schon, Ausnahmen bestätigen diese allerdings wie immer. Schwierig finde ich es nur, wenn man sich absolut nicht erklären kann, weshalb das Schlafverhalten mal wieder gestört ist. Aber dies ist wieder eine Sache mit den Phasen, Schüben etc.

"Gib‘ ihr nachts lieber Tee statt Milch!"

Auch über diese Aussage muss ich mittlerweile ein wenig schmunzeln.

Es ging um das Füttern in der Nacht. Hier wurde uns doch angeraten, sie nicht zu füttern, sondern ihr einfach Tee anzubieten. Schließlich würde dies ja „ausreichen“. Auch hier nochmal zum Verständnis: Zoey war dort gerade einmal wenige Wochen alt, ohne wirklichen Rhythmus und Verständnis für Tag und Nacht. Aber die Vorstellung, wie ich meiner weinenden fünf Wochen alten Tochter am Bettchen erkläre, dass es jetzt nachts ist, da darf man nichts mehr „essen“,  ist doch auch schön.

"Vielleicht hat sie hunger?" "Vielleicht benötigt sie eine neue Windel?" "Vielleicht…"

Oh, wie oft geht man als Elternteil die endlos lange Liste im Kopf durch, um vielleicht einen Punkt zu finden, der seinem weinenden Kind das Leben wieder schön gestaltet?

Wenn dazu aber noch von links und rechts die Fragen von Familienmitgliedern einprallen, dann musste ich mich schon sehr häufig zusammenreißen, nicht laut loszuschreien.

Gerade am Anfang, wenn alles noch neu ist und man sich mit seinem Kind in der Kennenlernphase befindet, dann endet man in der Regel auch schon so fast in Schweißausbrüchen, sollte das Kind auch nach dem Füttern noch immer weinen. Und auch heute nerven mich diese Fragen. Ich weiß doch, wann mein Kind hunger hat bzw. komme ich doch allein auf den Gedanken, meinem Kind etwas zu Essen anzubieten (wenn sie nicht gerade sowieso schon gefüttert wurde - dann suche ich weiter nach der Ursache des Unwohlseins).

"Wie, sie hat immernoch keinen Zahn? Das müsste aber langsam soweit sein!"

Na endlich tut sich was und man sieht mittlerweile zwei kleine weiße Spitzen…

...aber bis heute wurden wir regelmäßig gefragt, ob Zoey denn schon einen Zahn hat. Und wenn wir dies bis dahin immer verneinten, wurde uns mitgeteilt, dass es schon soweit sein MÜSSTE. Alleine was alles sein MUSS oder MÜSSTE, das war mir ja vorher gar nicht bewusst. Ich hoffe die lieben Fragenden geben sich nun erst einmal mit den zwei Spitzen in Zoeys Mund zufrieden.

"Früher war alles anders! Wir haben die Kinder auch ohne XY groß bekommen!"

Erst einmal meinerseits: "Herzlichen Glückwunsch?!" "Danke?!"
Was genau erwartet die Person, die diese Aussagen trifft, von einem? Natürlich gab es früher keine elektrische Wippe, keinen CoolTwister, der das Wasser direkt auf Trinktemperatur herunter gekühlt hat. Es gab so vieles nicht, worüber sich einige ältere Generationen nun „aufregen“. Aber was wird uns denn unterstellt? Das wir die heutigen Mittel und Helferlein ausnutzen? Oder dass wir ohne diese Dinge gar nicht mehr in der Lage wären, unser Kind großzuziehen?

Also sobald mir jemand kommt mit: "Früher gab es das aber nicht“, rolle ich mit den Augen.

Schon einmal darüber nachgedacht, dass es vor dem „früher“ auch eine noch frühere Generation gab, die wiederum auch viele Dinge nicht besaß? Und dennoch seid ihr groß geworden - natürlich! Ich heiße nicht alles, was es heutzutage zu kaufen gibt, gut oder halte es für unbedingt notwendig. Ich suche mir das heraus, was für uns am besten passt, was uns vielleicht wirklich einiges an Arbeit erleichtert.

Sollte Zoey einmal Kinder haben, dann wird es auch da wieder Dinge geben, auf die ich heute gut verzichten konnte. Zoey, bitte klopf der Mama auf den Kopf, sollte ich dann sagen: „Früher habe ich dich auch ohne XY groß bekommen!“

Übrigens sind diese Sätze von „früher…“ für alles anwendbar und nicht nur auf die Kindererziehung bezogen. Früher gab es auch keine Spülmaschine, keine vernünftige ärztliche Versorgung, keine Autos, kein Strom…
Genutzt wird’s heute trotzdem!

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Kommentare: 2
  • #1

    Rubbelmama (Freitag, 25 September 2015 09:01)

    Liebe Jaqueline,

    dein Blog ist wirklich gut geworden, vor allem das Titelfoto finde ich klasse. Schön, dass ihr eine eigene Seite habt und keine Blogspot-Domain oder ähnliches.

    Um deinen Blog bekannter zu machen, kann ich dir noch das Verzeichnis von Brigitte Mom ans Herz legen, wir haben uns da auch eingetragen und es kommen immer mal wieder Leser auf diesem Weg:
    http://mom.brigitte.de/mom-blogs/?ansehen=rubbelbatz-2232611&
    Wenn du das Logo auf deiner Seite mit einbaust, bekommst du vielleicht auch noch das eine oder andere Herz geschenkt :)

    Ansonsten weiterhin viel Spaß mit dem neuen Hobby, wenn du noch irgendwelche Fragen hast, kannst du dich jederzeit gerne an uns wenden (hanna@sie-ist-schwanger.de).

    Liebe Grüße,
    Hanna alias Rubbelmama

  • #2

    Rubblemama (Freitag, 25 September 2015 09:02)

    P.S. Und eine facebook-Fanpage würde ich dir empfehlen!