Veränderung nach der Geburt - Partnerschaft

Aus 1 und 1 wird 2 - von Mann und Frau zu Papa und Mama - von einem Paar zu einem Eltern-Paar. Nach der Geburt eines Kindes verändert sich so ziemlich alles. Die Welt wird auf den Kopf gestellt und man versucht, dieses neue Leben anzunehmen und damit umzugehen. Hier geht es um die Veränderung der Partnerschaft, denn wie geschrieben, verändert sich so ziemlich alles, sobald ein kleines Würmchen in das Leben tritt...


Angefangen mit den Idealvorstellungen Hochzeit, Haus, Kind und das Ganze natürlich beginnend mit zig glücklichen Jahren, in denen man sein Leben in vollen Zügen genossen hat, blickt man sich schließlich verliebt in die Augen und weiß: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Zuwachs!"

 

Soviel zur Idealvorstellung. Ich kenne so gut wie niemanden, bei dem dies so eingetreten ist. Und selbst wenn, es kann einem ja trotzdem niemand eine Garantie dafür geben, dass es so harmonisch bleibt.

 

Und auch Ricardo und ich erfüllten nicht gerade diese Vorstellung. Wir lernten uns auf der Arbeit kennen und im Endeffekt 2012 auch lieben. Das heißt, wir sind (erst) seit drei Jahren ein Paar. Wir besitzen kein Haus und haben nicht geheiratet (wobei Letzteres am fehlenden Antrag von Ricardo liegt). Von Anfang an habe ich jedoch klargemacht, dass ich definitiv ein Kind möchte (bevor es später böse Überraschungen gibt) und auch Ricardo war dem nicht abgeneigt. Wir genossen das erste Jahr in vollen Zügen, ohne großartig auf das Thema "Kinder bekommen" einzugehen. Irgendwann kristallisierte sich für uns beide heraus, dass es ernster wird und ich zog zu ihm. Gut, die Hälfte meiner Sachen waren schon nach fünf Monaten bei ihm. Offiziell wurde es aber erst ein Jahr später.

 

Kurze Zeit darauf wuchs mein Wunsch nach einem Kind. Nachwuchs mit meinem Mann - ich konnte mir nichts Besseres vorstellen. Nachdem uns Freunde mitteilten, dass sie ein Baby erwarten, sagte Ricardo plötzlich zu mir: "Nun lass uns auch starten, aber ich habe noch eine Bedingung. Bevor wir unser Leben zu dritt teilen, geht es noch einmal in den Urlaub. So richtig mit Fliegen in die Sonne, zwei Wochen und nur zu zweit." Gesagt, getan. Nachdem wir zehn wunderschöne Tage auf Teneriffa verbrachten, konnten wir uns auf unser "Projekt-Baby" konzentrieren.

 

Im Februar 2014 war es dann soweit. Ich hielt den positiven Schwangerschaftstest in meiner Hand, ging zu Ricardo, zeigte ihm das Ergebnis und sagte zu ihm: "Wir werden Eltern!"

 

Ich kann mich noch genau an die Situation erinnern und auch, dass wir danach erst einmal für einige Stunden relativ ruhig waren. Plötzlich schwirrte aber alles in meinem Kopf und mir wurde bewusst, dass es ab sofort kein "wir beide" mehr, sondern nur noch "wir drei" (ich hoffte sehr, dass sich nur eine kleine Erbse in mir befand) geben wird und wir ab sofort nicht nur die Verantwortung für uns, sondern vor allem auch für unser Baby tragen müssten.

 

Es ist schon verrückt, wenn man bedenkt, dass man sich vorab natürlich allerhand Gedanken gemacht hat, man die Vor- und Nachteile im Kopf durchging und sobald einem plötzlich bewusst wird, dass es nun ernst ist und man tatsächlich ein Leben erschaffen hat, gehen einem alle Dinge noch einmal aus einer anderen Sicht durch den Kopf.


Nachdem wir uns die Bestätigung vom Arzt holten und es mit unseren eigenen Augen gesehen hatten - unsere kleine Erbse und das schlagende Herz - waren wir nur noch glücklich. Während der Schwangerschaft wuchs unsere Freude natürlich immer mehr, aber auch mehr Gedanken beschäftigten uns. Gerade in Bezug auf die finanzielle Mehrbelastung durch Kind und auch die Sache mit der Wohnung. Schließlich erfüllten wir nicht die Idealvorstellung und hatten noch kein Haus gebaut. Nein, wir wohnten mitten in Berlin in einer 2-Zimmer Wohnung, die befüllt war mit Schränken und Regalen (natürlich überwiegend mit Taschen, Schuhen und Klamotten meinerseits). Wo sollte da also noch ein Baby Platz finden? Nachdem Ricardo mich immer wieder beruhigt hatte, wenn sich zwischendurch die Panik bei mir ausbreitete, hatten wir auch diese "Probleme" lösen können. Schließlich war unsere Idee, dass so ein kleiner Zwerg noch nicht zwingend ein eigenes Zimmer benötigte und sowieso bei uns schlafen würde.

 

Jetzt, nachdem Zoey 9,5 Monate alt ist und wir inzwischen seit einem guten halben Jahr in unserer 3-Zimmer Wohnung wohnen (juhuu, na ja theoretisch schläft Zoey in ihrem Bett, in ihrem Zimmer ... praktisch gesehen klappt dies aktuell nur zu 90%) ist dieses "Problem" auch behoben. Aber wie sieht es mit uns aus, die beiden damals sooo verliebten?

 

Was stimmt ist, dass ich meinen Mann immernoch von ganzem Herzen liebe und seitdem ich ihn zusätzlich als Vater unserer Tochter sehe, wurde diese Liebe schlagartig noch stärker. Was aber auch stimmt ist, dass sich mit der Geburt eines Kindes auch die Partnerschaft in gewisser (oder eigentlich jeder) Weise ändert. Man muss es sich grob gesagt so vorstellen, dass sich plötzlich ein weiterer Mensch zwischen sich und seinem Partner stellt und dieser weitere Mensch erhält erst einmal die volle Aufmerksamkeit von beiden Seiten. Dies beginnt teilweise schon in der Schwangerschaft, da es auch da das Hauptthema ist, je größer der Bauch wächst und je näher man dem Entbindungstermin kommt.

 

Da ist nun ein kleiner Mensch, der die volle Aufmerksamkeit und Liebe seiner Eltern benötigt und hier kommt, vermute ich, der Knackpunkt. Man muss den Spagat schaffen, seinem Kind gerecht zu werden und gleichzeitig auch seinem Partner. Auch sich selbst sollte man weiterhin nicht vergessen, schließlich lebt man ja nicht nur, um Mutter/Vater bzw. Partner(in) zu sein - und ich glaube, hier verlieren sich viele Paare. Sie sind dann eben nur noch Eltern und das Paar ist verloren gegangen. Neben der sowieso schon erschwerten Situation, dass da nun ein Mini versorgt werden muss, ändert sich ja in der Regel auch das Leben drum herum.

 

In unserer Situation bedeutet dies, dass ich das Leben zu Hause "nur" mit Baby habe und mein Mann sein frühreres Leben zusätzlich zum Kind, welches er nach Feierabend sieht, weiterführt. Das bedeutet also, die Gesprächsthemen beschränken sich auf das, was sich am Tage ergeben hat.

 

Ich: "Zoey hat es heute geschafft, ein paar Schritte an der Couch langzulaufen."

Ricardo: "Auf Arbeit war heute mal wieder die Hölle los."

 

Wenn nicht gerade etwas ganz Spannendes dazu gekommen ist, ist das die Konversation zwischen Frau und Mann beim Abendbrot. Nun muss man natürlich sehen, wie dieses eintönige Leben spannend gehalten wird. Ricardo und ich albern z.B. relativ viel rum. Natürlich mit Zoey aber auch gerne alleine. Uns macht es nichts aus, vor dem anderen die bescheuertsten Grimassen zu schneiden und einfach nur mal Blödsinn zu quatschen. Das haben wir vor Zoey's Geburt schon gemacht und das wird es auch weiterhin geben. Allerdings, je älter Zoey wird und je länger ich somit zu Hause bin, sehne ich mich nach meinem "alten Leben". Natürlich nun mit Kind, aber ich möchte auch gerne mal wieder ein Teil der stinknormalen Gesellschaft sein und von meinem Arbeitsalltag erzählen etc.

Vor allem sehne ich mich danach, mal wieder nur die Frau von Ricardo zu sein, ganz ohne Kindergemecker im Hintergrund. Einfach mal Essen gehen, ohne dieses mit dem Kind zu teilen oder kalt werden zu lassen, weil das Töchterchen erst einmal essen muss. Einfach mal ein Gespräch führen, bei dem es nicht um Zoey geht. Einfach mal Hand in Hand durch die Gegend laufen.

 

Diese Liste könnte ich wahrscheinlich noch unendlich weiterführen. Fakt ist: wir haben in der Zeit seit Zoey's Geburt ganze vier Mal das Haus ohne sie verlassen. Und diese wenigen Male waren auch nicht soo entspannt, wie man es sich erhofft hat. Wie denn auch, wenn ich das Handy andauernd in der Hand hielt, um bloß keine Meldung meiner Mutter zu verpassen.

 

Es wird Zeit für uns - nur für Ricardo und Jacqueline! Ich merke es jede Woche mehr und mehr und je größer Zoey wird, desto weniger mache ich mir Sorgen, sie wirklich einfach mal von jemand anderem betreuen zu lassen (als Babysitter haben sich schließlich schon so einige angemeldet). Dennoch muss ich sagen, trotz der wenigen "normalen" Gespräche und ohne dass wir einfach mal spontan sagen können, wir "beide" gehen heute aus, verläuft unsere Beziehung weiterhin harmonisch und liebevoll. Es gab zu keinem einzigen Zeitpunkt ein Zweifel daran und ich denke (und hoffe) auch nicht, dass es diesen bei uns geben wird.

 

Und doch kann ich mir gut vorstellen, dass viele Beziehungen an dieser neuen Situation zerbrechen. Nicht jedes Pärchen kann (oder will) seine Liebe nun mit einer weiteren Person teilen. Nicht jeder Partner entpuppt sich im Endeffekt als der perfekte Vater/die perfekte Mutter oder sieht plötzlich, welch' andere Ansicht bei der Erziehung etc. zum Vorschein kommt. Nicht jedes Pärchen schafft es damit auszukommen, so wenig Zeit zu zweit miteinander zu verbringen und auch diese Liste könnte man ewig weiterführen.

 

Man hört immer wieder den Rat: "Sollte man mit dem Gedanken spielen, sich zu trennen, sollte man das erste Jahr nach der Geburt abwarten." Meist ist dies nämlich das schwierigste Jahr, gerade weil es eine ganz neue und ungewohnte Situation für alle ist. So oder so gibt es aber meiner Meinung nach kein Geheimrezept. Man kann noch so viele Jahre glücklich miteinander verbracht und noch so viele tolle Pläne für die Zukunft geschmiedet haben - wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Wenn sich Topf und Deckel gefunden und einen dazu passenenden "Kochlöffel" erschaffen haben, der die bisherige Beziehung ordentlich durcheinander rührt (und das tut er in jeder Hinsicht), wird man merken, ob diese standhaft genug ist.

Fakt ist allerdings: Kein Kind der Welt wird eine sich eh schon drohende Trennung verhindern und nur wegen des Kindes eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten, nützt niemandem etwas. Ricardo und ich sind selbst "Scheidungskinder", geschadet hätte es uns vermutlich nur etwas, wenn unsere Eltern es weiterhin auf Zwang miteinander versucht hätten.

 

Ob ich einen Tipp habe, für alle Pärchen, denen das Elternsein bevorsteht? Nutzt wirklich noch jede freie Minute aus, bevor euer Zwerg in eurer Leben tritt! Genießt die Zweisamkeit, verreist, geht aus...

Ihr werdet lange Zeit nicht dazu kommen, dies in vollen Zügen zu genießen!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Nancy (Montag, 24 August 2015 11:37)

    Hey,das ist wirklich sehr schön geschrieben. Deine Schreibweise fesselt mich als Leser bis zum Ende zu lesen. Lg Nancy ☺

  • #2

    Jasmin (Mittwoch, 02 September 2015 12:46)

    Hallo Jacquelina,

    ich habe deinen Eintrag bei Babycenter "FamilienBlog-Mithilfe benötigt" gelesen und beantwortet. Ich finde du hast schon schöne und informative Themen gefunden! Danke, für deinen schönen Eintrag! :-)

    Ich bin ebenfalls eine NEUBloggerin (mein Blog ist eine Woche alt), enthält allerdings den Inhalt von 8 Monaten. Ich erwarte in ein paar Wochen mein erstes Kind und hatte ein privates kleines Tagebuch für mich und meinen Mann geführt. Letzte Woche beschlossen wir, dieses zu veröffentlichen!
    Schau gerne mal vorbei! http://jungesfamilienglueck.blogspot.com/

    Liebe Grüße,
    Jasmin