Kinderbetreuung nach Elternzeit #1 (ab wann?)

Schon vor der Schwangerschaft war mir klar, dass ich unser Kind gerne 1 Jahr zu Hause betreuen möchte. Als ich meinen Chefs meine Schwangerschaft verkündete, habe ich meinen Wunsch auch so mitgeteilt, sodass ich inkl. Mutterschutz vor und nach der Schwangerschaft etwas über 1 Jahr fehlen werde ...


Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wie lange man Elternzeit in Anspruch nimmt und ob man danach vielleicht sogar noch weiter zu Hause bleibt. Für uns kam nur das Konzept mit dem 1 Jahr in Frage. Warum? Aus folgenden Gründen:

  • Der finanzielle Aspekt muss berücksichtigt werden: Wir in Deutschland können uns glücklich schätzen, während der Elternzeit „Überbrückungsgeld“ zu erhalten. Dies setzt sich prozentual aus dem Einkommen der letzten 12 Monate vor Antritt der Elternzeit zusammen. Da dies bei uns nur 65% sind, fehlt natürlich eine ganz schöne Summe in der Kasse. Ich kann dazu nur sagen, dass es funktioniert. Aber man muss sich natürlich, zumindest in meinem Fall, ganz schön einschränken. Wo ich zuvor das Geld gerne ausgegeben habe und nicht immer darauf achten musste, ob man auswärts isst oder sonstige Unternehmungen macht (ja, auch um meine Shoppingsucht zu befriedigen; siehe auch den Blog „Shoppingwahn“), muss ich nun drei Mal überlegen, was man wirklich kauft. Zudem kommt noch hinzu, dass so ein Kind ganz schön teuer ist. Allein wie schnell die Zwerge wachsen (Klamotten räumt man schneller aus, als man gucken kann) und was die so an Windeln und Babynahrung verbrauchen, ist der Wahnsinn. Ohne die Unterstützung meines Mannes, der aktuell meist den Löwenanteil der Unkosten trägt, undenkbar. Daher freue ich mich darauf, dass es für mich ab 2016 wieder das alte Gehalt gibt, auch wenn man durch das Kind und die verbundenen Kosten (wie oben aufgezählt, zzgl. Kitagebühren etc.) natürlich nie wieder im freien Maße das Geld ausgeben kann, wie man möchte.
  • Auch an das Arbeiten an sich musste ich denken: Zwar habe ich das Glück, dass mein Mann mich weiterhin auf den neuesten Stand bringen kann, was im Büro gerade so los ist (wir waren bzw. sind ja Kollegen), aber dennoch hat man schnell das Gefühl, „raus“ zu sein. Ich gebe es zu, ich brauchte die Auszeit und den Abstand nach über 5 Jahren im gleichen Büro und habe mich auch sehr darauf gefreut, ein Jahr nicht arbeiten zu müssen - aber dennoch fehlt einem die tägliche Struktur und das „gebraucht werden“. Mir war immer schon mulmig zumute, wenn jemand davon sprach, dass ich ja für ein Jahr ersetzt werden müsste. Ich möchte nicht ersetzbar sein, sondern nur vertretbar :)
  • Ich bin nicht nur Mutter und Hausfrau: Für ein Jahr ist das Ganze alles gut und schön. Ich mache meinen derzeitigen Job wirklich gerne. Aber ich merke, dass „Jacqueline“ ein bisschen auf der Strecke bleibt und aktuell nur „Mama“ am Start ist. Ich freue mich darauf, als „Mama“ Zoey in die Kita zu bringen, als „Jacqueline“ meinen Job zu erledigen und somit als Frau, die Mutter ist, angesehen zu werden. Außerdem möchte ich auch gerne wieder einmal über etwas anderes sprechen können, als über den Mittagsbrei, den Zoey mal wieder verschmäht hat oder welcher kleine Teufel sie am heutigen Tag aufgesucht hat.
  • Die Beschäftigung mit Kind: Ganz ehrlich, hin und wieder merke ich, dass ich jetzt schon nicht immer meinem Kind gerecht werden kann. Ich schaffe es eben wirklich nicht, mich rund um die Uhr so mit Zoey zu beschäftigen, wie sie es wahrscheinlich braucht bzw. brauchen wird. Schließlich beginnt sie jetzt, viel mobiler zu werden und sich für immer mehr zu interessieren. Und natürlich spiele ich mit ihr und versuche, mich viel mit ihr zu unterhalten und das Ganze auch im Alltag neben der Hausarbeit einzubauen. Aber ich sehe auch, wie sie sich daran erfreut, wenn sie andere Kinder sieht. Sie beobachtet so gerne und ich habe immer wieder das Gefühl, sie erlernt so viel vom Abschauen bei anderen Kindern. Diese Möglichkeiten kann ich ihr im Alltag einfach nicht zu 100% bieten und daher stehe ich voll und ganz hinter der Meinung, dass sie in einer Kita/Krippe viel mehr gefordert und gefördert wird - alleine durch den Umgang mit anderen Kindern.

Ich akzeptiere jedes Elternteil, das sein Kind ganz früh oder ganz spät oder sogar gar nicht in die Kita (o.Ä.) geben möchte. Ich persönlich habe aber natürlich meine eigene Art und Weise, mit dem Thema „Kinderbetreuung“ umzugehen und setze dies nach meinen bzw. unseren Vorstellungen um. Daher verstehe ich es nicht, weshalb es regelrechte Diskussionen oder sogar Beschimpfungen geben muss, wenn jemand anderer Meinung ist, als man selbst.

 

Ein Beispiel, bei dem ich so wütend wurde:

Ich bin seit meiner Schwangerschaft in einem Online-Baby-Forum aktiver Leser und manchmal auch Schreiber. In einem Thema ging es eben um die zukünftige Kinderbetreuung. Da sich eine Mutter verzweifelt an die Community gewendet und um Rat gebeten hat, schrieben wir miteinander. Hier ging es insbesondere um die Betreuungszeit und das besagte Mutter Schwierigkeiten hat, aufgrund der Entfernung zum Arbeitsplatz eine Kita zu finden, die vor 6 Uhr öffnete. In unserem Fall ist das Problem mit der Betreuungszeit ja genau umgekehrt und wir benötigen einen Platz, der mindestens bis 18 Uhr verfügbar wäre. Nun plauderten wir miteinander, jeder vertrat seine Meinung und plötzlich kam ein Kommentar, der mir echt die Sprache verschlug.

Dort postete eine Mutter, dass sie absolut nicht verstehen kann, wie wir und alle anderen, die so eine Meinung haben, überhaupt Kinder in die Welt setzen könnten. Schließlich bekommen wir die Kinder ja nicht, um sie später abzugeben. Grundsätzlich stimme ich dem Gedanken schon zu, dass unser Leben nicht wie vorher weiter gehen kann, denn schließlich muss man nun Job und Kind unter einem Hut bringen. Aber was maßt sich diese Person an und beschimpft (ja, es ging bis hin zu Beschimpfungen) alle Eltern, die nicht ihrer Meinung sind? Ihre Vorstellung/Idee sah so aus, dass sie ihrem Chef wohl noch mitteilen wollte, dass sie ab nächstem Jahr von 10-13 Uhr (oder so ähnlich) arbeiten wollen würde und wenn es ihm nicht passt, soll er sie doch kündigen. Auf jeden Fall wird sie ihr Kind auf keinen Fall länger in fremde Hände geben, so wie wir Rabeneltern!

Ganz ehrlich? Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle berufstätigen Eltern. Armes Deutschland, wenn jeder so denken würde. Die Aspekte, dass es nicht jedem finanziell möglich wäre, so eine Einstellung zu haben, ignorierte sie genauso gekonnt, wie auch die Anmerkung, dass nicht jeder dazu geboren wurde, ausschließlich für Kind und Haushalt leben zu wollen, sondern auch noch „Frau“ sein möchte.

 

Es ist heutzutage schon schwer genug, sich für ein Kind zu entscheiden und vor allem für alles was es mit sich bringt. Ich persönlich habe immer gesagt, dass ich meinem Kind natürlich gerecht werden möchte und ich sicherlich hier und da ein schlechtes Gewissen haben werde, wenn unsere Tochter den ganzen Tag nicht von uns, sondern von anderen Menschen betreut wird. Aber so lange es allen damit gut geht, ich mich wieder ausgefüllt fühle und ich meiner Tochter, ohne zu überlegen ob es finanziell möglich ist, auch mal einen Ausflug ermöglichen kann, dann kann dies nicht verkehrt sein.

Im Übrigen sind sowohl mein Mann, als auch ich und sämtliche Leute in unserem Umfeld mit voll berufstätigen Eltern aufgewachsen. Geschadet hat es uns allen nicht und ich habe noch immer ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern!

 

Wie bei so vielen anderen Themen und insbesondere beim Thema „Kind“ gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Jeder sollte es so handhaben, wie es ihm möglich ist und vor allem wie es allen Beteiligten damit gut geht.

Ich freue mich auf jeden Fall auf die Zeit, wenn unsere Tochter von ihrem aufregenden Tag aus der Kita erzählen kann, neue Freunde kennenlernt und genauso ausgeglichen, wie Mama und Papa sein wird. Und das Beste: Die freie Zeit zu dritt werden wir vermutlich noch viel mehr genießen!

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