Shoppingwahn?

Böse Zungen behaupten ja, ich wäre ein bisschen verrückt was meinen Überschuss an Schuhen, Taschen, Kosmetika und Ähnliches angeht. Ich dagegen empfinde all meine schönen Sachen als notwendig! :-) ...


Angefangen hat alles mit einem sehr bescheidenen Kind, bis zum Alter von ca. 14 Jahren, namens Jacqueline. Ja, ich war einmal sehr bescheiden und sparsam. Ich kann mich z.B. gut daran erinnern, dass ich bei Besuchen auf Straßenfesten, Shoppingcentern etc. immer sehr zurückhaltend war und auf die Frage meiner Mutter, ob ich denn etwas Schönes haben möchte (und sei es nur eine Bratwurst), regelmäßig mit „Nein, danke!“ antwortete. Mir reichten die Klamotten, die ich als Kind erhalten habe und mir reichte das Abkommen mit meiner Mutter, das besagte, dass ich mir einmal im Jahr sehr teure (Sport-)Schuhe aussuchen dürfte und den Rest des Jahres günstigere Schuhe bekomme, sollte dies notwendig sein. Auch mit meinem Taschengeld kam ich immer ewig aus und hatte regelmäßig noch etwas Geld übrig, als schon die nächste Taschengeldauszahlung stattfand.

Mir wird sogar nachgesagt, ich wäre richtig geizig gewesen, was die Sache mit dem Geld angeht und hätte nicht einen Pfennig ausgeben wollen. In meiner Erinnerung als Kind war ich regelmäßig mit meiner Oma zu Besuch bei Verwandten in Hamburg und als es darum ging, dass wir unsere abendlichen Würfelspiele mit einem Geldeinsatz (1 Pfennig pro Runde) beginnen, bin ich regelrecht explodiert, wenn ich als Verlierer mein hart angespartes Geld abgeben müsste. Natürlich wurde mir im Endeffekt nicht wirklich Geld von meiner lieben Verwandtschaft abgenommen, aber die Tatsache, mich in dem Glauben zu lassen, war mich für mich schon sehr schwierig.

 

Als Kind hatte ich relativ schnell den Dreh raus, wie ich an bestimmte Dinge, die ich mir wünschte, rankommen würde, ohne selbst dafür auch nur einen Pfennig auszugeben. So führte ich meine Reden wie „Wenn ich mal ganz viel Geld habe, dann kaufe ich mir dieses und jenes…“ jahrelang und der Erfolg lag in der Regel auf meiner Seite. Meine Mutter brachte dem bescheidenen und „Nein, danke! Ich benötige nichts!“ sagenden Kind  immer wieder eine Kleinigkeit von der im Kopf schwirrenden Wunschliste mit. Win-Win - meine Mutter ging von einem sehr artigem Kind aus und ich erhielt viele Dinge, die ich mir „irgendwann einmal selbst kaufen“ wollte, ohne einen Pfennig auszugeben. Dreist? Ja, ein wenig schon. Als ich älter wurde und keine besonderen „Barbie-Pferde“ oder Ähnliches als Wunsch hatte, klärte ich meine Mutter über mein Verhalten auf. Sauer war sie nicht, schließlich war sie auch nicht blöd und erkannte recht schnell, was ich mit meinen Aussagen bezweckte und im Endeffekt war es immer noch angenehmer, als ein ständig nörgelndes und bettelndes Kind während des Einkaufens bei sich zu haben.

 

Als ich in die Pubertät kam und mein Taschengeld wuchs, hat sich das mit dem Geiz und der Sparsamkeit recht schnell erledigt. Man fing an sich kleiden zu wollen, wie alle anderen es taten und Dinge zu besitzen, die alle anderen besaßen. Ich weiß noch, als es um die damaligen so trendigen „Buffalo“-Schuhe ging: Meine Mutter sah überhaupt nicht ein, 220 DM für so ein paar „hässliche Treter“ auszugeben und somit war ich gezwungen, mir einen Großteil zusammenzusparen und auf den Geburtstagsgeldregen zu warten. Wie gesagt, die Masche mit „Wenn ich Geld habe dann kaufe ich mir…“ war durch. Ich habe es tatsächlich geschafft! Auch wenn ich erst relativ am Ende des Buffalo-Trends die notwendigen 220 DM zusammen hatte, so trug ich diese Schuhe mit sehr viel Stolz, da das Sparen funktionierte!

 

Die erste „Sucht“ begann für mich, als ich mir monatlich ein neues Portemonnaie zulegte und meine Sammlung wuchs. Schließlich war so ein Portemonnaie noch immer günstiger, als regelmäßig eine neue Tasche zu kaufen. Aber schnell wurden aus Portemonnaies eben Taschen. Dann ging es eben nicht mehr jeden Monat, sondern nur noch alle 2 Monate. Warum? Tja, das weiß ich leider auch nicht genau. Ich weiß nur, dass ich alle Taschen auch wirklich (irgendwann einmal) getragen habe. Und ich weiß auch, dass einige dieser Taschen auch schon den Besitzer (meine Mutter) gewechselt haben, weil sie grundsätzlich nur 1-2 Taschen besaß und davon ja irgendwann einmal eine kaputt geht (Ich habe es immer gesagt, man benötigt mehr Taschen!).

 

Als ich die Ausbildung begonnen habe, besaß ich also plötzlich sehr viel mehr Geld, als mein mickriges Taschengeld von früher. Was ich mit dem plötzlichem Überschuss an Geld angestellt habe? Wenn ich das wüsste… Sooo viele Taschen und Portemonnaies konnte ich doch nicht gekauft haben, oder? :) Nein, natürlich nicht. Da ich vorhatte, mit 18 auszuziehen und es soweit auch alles fest war, begann ich, Geld beiseite zu legen (Kaution) und mir immer wieder etwas für den Haushalt zu kaufen.

Gesagt getan - ich zog mit 18 tatsächlich in meine erste eigene Wohnung und konnte alles (!) alleine bezahlen (wie ich das mit einem Einkommen von nicht einmal 700€ insgesamt geschafft habe, ist mir ein Rätsel). Doch auch hier endete meine „Kaufsucht“ nicht. Ich begann die Welt der Schuhe näher zu betrachten und somit gönnte ich mir hier und da immer mal ein paar Schuhe. Auch diese Sammlung wuchs immer mehr und kannte kein Ende. Oh doch, die Arie mit den Portemonnaies nahm irgendwann doch seinen Lauf und ich sah ein, dass 10/15 Stück (nach Aussortierung) auch genug wären.

Ich muss hier noch einmal betonen: Trotz des geringen Einkommens und der dazu vergleichsweise total hohen Miete (Hälfte meines monatlichen Budgets) und meiner kleinen „Kaufsucht“ musste ich zu keinem Zeitpunkt zurück ins Nest zu Mama, sondern habe tatsächlich von da an alleine gelebt.

 

Ich weiß leider nicht mehr genau den Zeitraum, wann alles ein wenig sehr viel wurde und ich plötzlich ca. 60 Paar Schuhe (für einige sehr wenig!), ca. 40 Taschen und nur noch sehr wenige Portemonnaies besaß, aber dies sollte nicht das Ende sein. Nachdem meine Taschen und Schuhe für mich zu einer normalen „Shopping-Routine“ wurden, begann ich sämtliche Kosmetika zu kaufen, wofür geworben wurde. Ganz stark war der Drang danach, alles NEUE auszutesten und so hatte ich Zuhause die Auswahl zwischen 8 Foundations, 10 Puder, 6 Kajalstiften, unzähligen Lidschatten usw. usw. Den genauen Überblick hatte ich allerdings nie dafür. Zu der dekorativen Kosmetik kam noch hinzu, dass ich NATÜRLICH auch noch unfassbar viele Shampoos, Duschgele, Cremes usw. hortete. Natürlich meist mit dem Aufkleber „NEU“ versehen. Ja, ich bin ein Werbeopfer, ich gebe es ja zu.

 

Richtig bewusst wurde es mir noch einmal, als wir Anfang 2015 umgezogen sind. Ich hatte doch tatsächlich gefühlt halb DM/Rossmann und Co. in unserem Badezimmer verteilt. Nachdem ich dies mit Erschrecken auch zugegeben habe und es unseren fleißigen Umzugshelfern nicht verborgen geblieben ist, scherzten meine Freunde, dass alle Drogerien der näheren Umgebung ein Hausverbot aussprechen sollten, bevor ich mir noch weitere 10 Shampoos und Ähnliches kaufe und mein Mann irgendwann wahnsinnig wird.

Apropos Mann - er erweist sich auch hier als ein sehr rücksichtsvoller Partner. Als ich 2013 mit Sack und Pack (= Schuhen, Taschen, Klamotten und Kosmetika aller Art) zu ihm zog, hat er es (fast) wortlos hingenommen. Er schmälerte seine kleine Ecke im Bad noch ein wenig, um Platz für mich zu schaffen. Er zog los und kaufte sämtliche Regale, um für meine Schuhe und Taschen ein neues Zuhause zu schaffen und auch ein neuer Kleiderschrank wurde zeitnah aufgebaut.

In der neuen Wohnung setzte er sich ein bisschen mehr durch. Natürlich hatte ich, trotz wirklich gründlichem Ausmisten, noch immer enorm viel Kram, für den nun aber eine andere Platzverteilung stattfand. Ich bin glücklich mit meinem eigenen kleinen Schmink-Badezimmer (ok, unsere Gäste, die sich im eigentlichen „Gästebad“ aufhalten, fragen sich, ob sie sich verlaufen haben) und mein Mann ist glücklich mit der Tatsache, dass seine 2-3-4 Sachen nun nicht mehr eingequetscht in dem hintersten Regal im Hauptbadezimmer stehen.

Abschließend bleibt mir wohl nichts anderes übrig als zuzugeben, dass ich wohl ein klein wenig shoppingsüchtig bin (nochmal: Werbeopfer hoch 10!). Natürlich haben sich die Prioritäten mit Baby ein wenig verschoben, sodass das meiste Geld mittlerweile in Zoey‘s Kinderzimmer liegt. So ein Kind kann aber auch teuer sein! Aber das ist ein anderes (Shoppingwahn) Thema…

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